WETTBEWERB „ISLAND SKI SNOW CABIN“ VON BUILDNER 2024

In einem Land, das von der Artenvielfalt der Natur nur so strotzt und den Blick der Vergangenheit und Gegenwart verbindet, entsteht nun ein Ort, der die Zukunft widerspiegelt. Dieser Ort erlaubt es dem Besucher Teil der Schönheit, Tradition und Innovation von Island zu werden. Im Mývatn-Gebiet wird dieses Gefühl in Form einer Ski-Cabin in die Tat umgesetzt. Diese Ski-Cabin ermöglicht es dem Beobachter die Wunder der Natur, die Verbundenheit der Menschen, als auch den Drang nach Innovation und Umweltbewusstsein den Island zu bieten hat, neu zu entdecken. Es bietet einen Ort der Ruhe und Erholung, sowie einen Ort sich sportlich neuen Herausforderungen zu stellen. Die Ski-Cabin „Ice and Fire“ soll mit seinem Auftritt und Funktion zu einem weiteren zentralen Punkt in der Diamatkreis-Route wachsen und die Begegnung mit den dynamischen Kräften, die das mythische Land aus Eis und Feuer mitbringt, weiter formen.

ARCHITEKTUR

Der Ursprung des Gebäudeentwurfs, entstammt der Idee, das Gebäude eins mit der Umgebung werden zu lassen und das fesselnde Erbe Islands mit zeitgenössischem Design zu verbinden. Inspriration dazu ist die traditionelle Bauweise der in Island vorkommenden Torfhäuser. Sie zeichnen sich durch ihre dicken Wände und grasbewachsenen Dächer aus. Diese bieten eine hervorragende Isolierung gegen das raue Klima und stellen ein charakteristisches Merkmal der nordischen Bauweise dar.

Dies wird im Entwurf zum einen durch den Einsatz von natürlichen Materialien erzeugt, aber vor allem durch die Formensprache des Gebäudes selbst. Der wichtigste Hauptakteur ist die Form des Dachs. Das Dach spannt sich kuppelförmig über die Wandstrukturen und läuft in einem geschwungen Abschluss in die umliegende Umgebung ein. Die nach vorne ausgerichteten Gebäudeflügel sind nach Süd-Ost und Süd-West ausgerichtet. Der entgegengesetzte Gebäudeteil (Nord-West) fällt im Gegensatz zu den beiden anderen Auslegern nicht nach unten ab, sondern schließt mit einem Schwung nach oben an den dahinterliegenden Berg an. Die Besonderheit der anliegenden Dachkuppel ist nicht nur die flache organische Formsprache an sich, sondern auch die Funktion die es mitbringt. Auf diese Weise ist es möglich, neben der regulären Abfahrt entlang des Schlepplifts, über das Gebäude selbst mit den Skiern zu fahren oder das Gründach im Sommer zu Fuß zu begehen. Der hintere Gebäudeteil dient durch seinen Schwung nach oben als Verlängerung der Skipiste. Durch den Schwung gelangt man auf die höchste Stelle des Dachs. Hier bietet sich neben dem Ausblick auf das Panorama die Möglichkeit über den linken Gebäudeteil, nach unten zu fahren (siehe Grafik „WEGFÜHRUNG“). Der rechte Gebäudeteil ist nicht befahrbar und bildet sich als Haupteingang des Gebäudes aus. Vom Innenraum er- reicht man über eine Wendeltreppe ebenfalls das Dach zu Fuß. Durch die bis zu vier Meter hohen Glasfassaden an den Schenkelflächen des Gebäudes gelangt viel Licht in den Innenraum und lässt innen und außen ebenfalls vom Innenraum aus betrachtet visuell miteinander verschmelzen.

NUTZUNG

Die Ski-Cabin teilt sich in drei Flügel, die sich zu einer Dreiecksformation zusammenschließen. An zwei der drei Schenkelseiten fügt sich zudem jeweils eine abgerundete Terrassenfläche im Außenbereich an. Der Haupteingang befindet sich im Süd-Osten. Dem Foyer vorgelagert, befindet sich ein halb umschlossener und überdachter Eingangsbereich. Hier wird die Möglichkeit geboten, kurz zu verweilen, oder an der gegenüberliegenden Service Station seine Skiausrüstung zu prüfen. Durch die geschlossenen Seitenwände wird im Eingangsbereich zunächst bewusst eine abgedunkelte Lichtsituation geschaffen. Diese soll eine erwartungsvolle Stimmung erzeugen. Die abgerundeten Seitenwangen des Gebäudes sind weitestgehend vollflächig verglast und eröffnen beim weiteren Betreten des Gebäudes eine lichtdurchflutete Raumsituation, die zu allen Seiten des Gebäudes einen freien Blick auf das Panorama ermöglichen.

Im Eingangsbereich befindet sich der Info-Point (eine Holz-Stehle mit integriertem Tablet). Dahinterliegend blickt man auf ein wichtiges Gestaltungselement. Die transparent gestaltete Wendeltreppe. Diese ermöglicht den Zugang auf das Gebäudedach, was gleichzeitig als Aussichtsplattform dient. Alle Funktionsbereiche schließen sich mittig zu einem Gebäudekern zusammen. Die Form dieses Kerns bildet sich durch die Skalierung der Dreieckförmigen-Außenkanten, ergänzt durch abgerundete Eckpunkte. So entstehen an allen Schenkelseiten der Ski-Cabin offene und weitläufige Flur- bzw. Aufenthaltsbereiche mit freiem Blick auf die Landschaft.

Der Essbereich und die Selbstbedienungstheke, die mit einer Küche und einem Lager verbunden sind. Über den rechten Gebäudeschenkel gelangt man auf die Außenterrasse, die über weitere Sitzmöglichkeiten verfügt und einen weitläufigen Blick in die Natur und auf die Skipiste bietet. Gegenüberliegend befindet sich der Zugang zu einem kleinen Ausstellungsbereich und danebenliegend drei etwas privatere Sitzkojen mit Rundtischen für größere Gruppen.

Im unteren Gebäudeschenkel findet man neben dem Zugang zum Küchenbereich weitere Tischgruppen. Links neben dem Küchen- und Essbereich liegen die WC-Anlagen mit einem offenen Wandtischbereich. An der Stelle, wo sich der untere und linke Gebäudeflur treffen, befindet sich der Ruhebereich mit einer umlaufenden Sitzbank und einem Kamin zum Aufwärmen. Folgt man dem Linken Gang weiter, befinden sich hier einige gemütliche Sesselgruppen, die zu verweilen einladen und ebenfalls den Blick auf das Panorama ermöglichen. Mittig des Flurs geht der Eingang zu den Umkleidekabinen ab. Angeschlossen hierzu liegt der Saunabereich. Dieser umfasst Duschmöglichkeiten, eine kleine traditionelle Rundsauna aus Stein und eine angeschlossene, private Außenterrasse mit Whirlpool.

In der Gebäudespitze liegt der Raum für die Skiausrüstungen und anschließend dazu, die Garage für die Pistenausrüstungen. Diese zwei Bereiche können vom Personal sowohl von innen, als auch über zwei Rolltore im Außenbereich, betreten werden.

KONSTRUKTION / ATMOSPHÄRE

Die Konstruktion der Dachkuppel ist in der geodätischen Bauweise gebaut. Diese Methode verwendet ein Netzwerk aus Holzstäben, die mittig in die Form eines Dreiecks zusammenlaufen, um eine stabile und selbst tragende Struktur zu schaffen. Geodätische Kuppeln sind bekannt für ihre hohe Stabilität und effiziente Nutzung von Materialien. Die sibirische Lärche bietet sich hier als Bauholz an, da sie eine hohe Tragfähigkeit, natürliche Resistenz gegen Witterungseinflüsse und als nachwachsender Rohstoff eine relative Kosteneffizienz trotz der anfallenden Importkosten aufweist. Unterhalb der Dachkonstruktion schließt sich eine Wand aus Stampflehm, in Anlehnung an die traditionellen Torfhäuser in Island an. Stampflehm bietet finanzielle Einsparungen durch lokale Verfügbarkeit, niedrige Materialkosten und Energieeffizienz, aufgrund seiner hervorragenden wärmeisolierenden Eigenschaften, sowie ökologische Vorteile durch dessen Nachhaltigkeit, dessen geringen CO2-Fußabdruck und seine Recyclingfähigkeit. Das Material für Stampflehm kann also in Island selbst gewonnen werden, da Lehm in verschiedenen Regionen der Insel vorhanden ist. Die Wand aus Stampflehm mündet auf einem Sockel aus Basaltstein. In Island werden Häuser traditionell aus Basalt gebaut, einem vulkanischen Gestein, das in der Region reichlich vorhanden ist und sich durch seine Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber den rauen Wetterbedingungen auszeichnet. Die Kombination der unterschiedlichen Materialien nutzt die jeweiligen Stärken voneinander. Diese Bauweise kann sowohl strukturelle Integrität als auch Energieeffizienz gewährleisten, was sie zu einer attraktiven Option für nachhaltiges Bauen macht.

Die Wahl der Materialien ist zudem sehr wichtig für die räumliche Atmosphäre. Die Kombination aus natürlichen Materialien, die im Innenraum durch ei- nen Lehmputz an den Wänden und grauen Wollfilz von isländischen Schafen, in der Bestuhlung ergänzt wird, erzeugt eine warme und einladene Stimmung.

Die Skihütte soll so zum Leuchtfeuer der Wärme und des Schutzes in der kargen, aber atemberaubenden Landschaft Islands werden, ohne sich in der Landschaft zu stark abzuheben, vielmehr unauffällig und verbunden in der Natur einzugliedern. Hierdurch verkörpert die Ski Cabin gerade in den kälteren Monaten in Form eines neuen Wahrzeichens den Kontrast zwischen „Ice and Fire“ der mystischen Umgebung.